Zweite Andenüberquerung ist geglückt, wir sind gestern in San Pedro de Atacama in Chile angekommen

Von Tinogasta nahmen wir die Strecke über die Questa de Zapata unter die Räder (alte Ruta 40). Diverse Reisende empfehlen diese Variante anstelle der neuen Ruta 40. Es ist eine Abkürzung nach Londres und landschaftlich interessanter. Nachdem im Februar in diesem Gebiet Unwetter geherrscht hatten, wurde ein grosser Teil der Strasse zerstört. Für Autos ist die Strecke unpassierbar, wir empfehlen sie auch keinem Velofahrer, denn auch mit 2 Rädern ist sie nicht mehr zu befahren. Wir mussten lange Strecken schieben und zahlreiche trockene Flussbette durchqueren, dabei die schweren Velos über grosse Steine und durch tiefen Sand hiefen, macht nicht wirklich Spass. Die Strasse wird mangels Interesse der Behoerden nicht wiederhergestellt.
Zurückgelegte Route bis San Pedro de Atacama:
Londres - Belen - El Eje - Villa Vil - El Peñon - Antofagasta de la Sierra - Pocitos - Las Barrancas/Grenze Argentinien - Paso Sico - El Laco/Grenze Chile - Campo El Laco/Eisen-Mine - Toconao - San Pedro de Atacama. Details und Bilder folgen.

Ueber den Paso San Francisco nach Argentinien

Von der Zollstelle, welche sich auf über 3`500 m befindet, fuhren wir in 2 Tagen bis zur Passhöhe und hinunter bis zum argentinischen Zoll nach Las Grutas. Es war die landschaftlich schönste, aber anstrengendste Fahrt, die wir je erlebt haben.

Jedenfalls gab es nach dem chilenischen Zoll an der angeblich naechsten Station, den Carabinieris bei der Lagune Verde kein Wasser, denn dort war ueberhaupt niemand. Wir hatten gerade noch  2 l Wasser, um am naechsten Tag ueber den Pass zu gelangen, was reichen musste.

Die Passhöhe erreichten wir auf 4`726 m. Der starke Wind half uns den Berg hinauf. Die Strasse auf chilenischer Seite wurde vor einiger Zeit präpariert und soll wohl irgendwann geteert werden. Wir hatten das Pech, dass viele Strecken wegen tiefen Sandstellen, grober Steine und Washboard sehr schlecht zu befahren waren. Im Refugio auf der Passhöhe hielten sich 2 argentinische und 2 polnische Bergsteiger auf. Sie wollten die 6`000er besteigen, mussten sich aber vorerst noch akklimatisieren. Wir waren eine lustige internationale Gruppe im Refugio. Sie konnten es nicht fassen, dass wir mit den Velos diesen Pass hochgefahren sind. Die Überraschung war fuer uns perfekt, von der Passhöhe an war die Strasse super geteert. Wir genossen es, die 20 km bis zum argentinischen Zoll herunterzurollen. Die Landschaft ist auf dieser Seite auch komplett anders, wie man auf den Bildern sehen kann. Viele gelbe Büsche strahlen in der Sonne, dahinter die tollen, mit einer Schneehaube bedeckten 6`000er. In Las Grutas gibt es eine einfache Herberge. Dort bereiteten sich einige Bergsteiger aus verschiedenen Nationen auf die Besteigung der Giganten vor. Als wir uns am nächsten Morgen zur 180 km `Abfahrt` aufmachen wollten, mussten wir erst einmal 3/4 Std. beim Zoll warten, um die Einreisepapiere zu erledigen. Der Grund fürs Warten waren aber nicht die Papiere, sondern der nicht funktionierende Stromgenerator. Dieser musste erst gestartet werden, damit es im Zollhaus Strom für Computer und Licht gab. In 2 Tagen fuhren wir hinab bis nach Fiambalá. Hinab ist doch etwas übertrieben, die ersten 80 km waren eher flach und wir mussten davon 60 km gegen den immer stärker werdenden Wind kämpfen, der das Tal hinauffegte. Schliesslich erreichten wir im richtigen Moment das uns rettende Refugio. Um Mitternacht gesellte sich noch ein argentinischer Bergsteiger zu uns. In Fiambalá (Provinz Catamarca) war es um die 35 Grad. Gewaltig, was unser Körper an Klimaunterschieden in den letzten 14 Tagen mitmachen musste. Bezüglich Hygiene, Ernährung, Wasserversorgung gab es Einiges zu beachten. Jedenfalls waren die Baby-Feuchttüchlein eine gute Option, wenn es kein Wasser und keine Dusche gab :-) . Auch bezüglich Wetter hatten wir riesiges Glueck, meistens wehte der Wind die Täler hoch und im Nationalpark Nevado Tres Cruces war es beinahe windstill, aber dafür recht heiss. Von anderen Radlern hörten wir, dass sie von Hagelstuermen überrascht wurden, wovon wir Gott sei Dank verschont blieben. Ca. 1`000 km haben wir mittlerweile zurückgelegt.

Fiambalá ist ein kleinerer Wüstenort und Versorgungsort für Bergsteiger vor ihren Expeditionen. Infrastrukturmässig koennte hier noch Einiges verbessert werden, um diesen Ort fuer Bergsteiger attraktiver zu machen, und Arbeitsplätze für die Einheimischen zu schaffen, welche es hier nicht genuegend gibt.

Riesig haben wir uns schon vor vier Tagen auf ein richtiges argentinisches Steak und alle moeglichen Goodies gefreut! Wir benötigten argentinische Pesos und wollten beim Bankautomaten Geld abheben. Einen einzigen Automaten gibt es in der ganzen Stadt und dieser funktionierte nicht. Wir sollten unser Zimmer bezahlen. Ein Bergsteiger aus Schottland wechselte uns US$, die wir als Notvorrat dabei haben. Am nächsten Tag warteten über 100 Personen vor der Bank, um Geld zu erhalten. Der Bankautomat funktionierte entgegen einer schriftlichen Mitteilung der Bank auch an diesem Tag nicht. Das Gleiche erlebten wir in der 50 km entfernten Stadt Tinogasta, wo wir uns zurzeit befinden, nur dass hier der Automat leer war. Auch hier standen die Menschen vor der Bank Schlange, für uns Europäer ein unvorstellbares Bild.

Auf dem Weg von Fiambala nach Tinogasta unterhielten uns Schwärme von Papageien mit ihrem lauten Gekrächze.

Paso San Francisco und die 6`000er Berge

    
    Argentinischer Zoll Las Grutas


    Incahuasi 6'621 m


    Wildlife Crossing Vicunas


    Schieben ist angesagt


    Weitblick


    Nevado Tres Cruces


    Der Wind hilft beim Schieben


    Refugio, ein guter Windschutz


    Flamingos Laguna Verde


    Abfahrt auf argentinischer Seite


    Verschnaufpause


    Farbenfrohe Abfahrt


    Der kleine Zorro


    Wir haben ihn erlebt ...


    Der majestätische Incahuasi


    Rote Berge 

    Paso San Francisco 4'726 m

   

Eine mit Salz angelegte Strasse führte uns hinauf zur Goldmine Maricunga auf 4`500 m. Unterwegs wurden wir von den Mineros mit Wasser versorgt. Natürlich wurde die Luft immer dünner und wir mussten darauf achten, dass wir uns nicht ueberanstrengten. Symptome wie Kopfdruck und geblaehter Bauch hatten wir nur kurze Zeit. Bei der Mine angekommen, erklärte uns ein Arbeiter, dass sie uns mit einem Pickup auf die andere Seite, zum anderen Checkpoint, bringen wuerden, wir koennten mit den Velos nicht durch das Gebiet fahren. Claudio, der von unserer Tour sehr angetan war, brachte uns schließlich auf die andere Seite des Minengebietes. Die Berge waren wirklich goldenfarbig und wir konnten uns vorstellen, dass es aus diesen Bergen Einiges an Gold zu holen gibt. Der fuer das leibliche Wohl der Mineros zustaendige Chef brachte uns beiden je einen Plastiksack mit Esswaren und Getraenken. Wir waren dankbar, denn unsere Vorraete reichten zwar noch fuer einige Tage, aber bei den schlechten Strassenverhaeltnissen wussten wir nicht, ob wir wie geplant vorwaerts kommen werden. Da wir im Campamento der Goldmine nicht bleiben durften - es hatte niemand wirklich die Befugnis, uns dafuer die Erlaubnis zu erteilen - fuhren wir am späten Nachmittag noch bis zur Laguna del Negro Francisco. Dort gibt es eine CONAF-Huette (Berghütte), wo wir die Nacht verbringen konnten. Die Nächte auf über 4`000 m waren eisig kalt. Die `Strasse` zur Huette war alles andere als gut zu fahren, grober Schotter, Sand, Waschbrettpiste. Die Szenerie um uns herum war aber einmalig schoen. Edward aus Irland, der mit einem Pickup unterwegs war und auch eine Nacht mit uns in der Hütte verbrachte, ueberliess uns einige seiner zuviel eingekauften Esswaren. Er bereitete fuer uns sogar Sandwiches zum Lunch vor, so richtig gourmetmaessig. Von Haferflocken und Teigwaren hatten wir naemlich langsam genug. Unsere Reise ging weiter Richtung Nationalpark Nevado Tres Cruces. Die Strassenverhaeltnisse waren die absolute Haerte und überstiegen alle unsere bisherigen Erfahrungen. Grober Schotter, Sandstrecken, Washboard. Wir mussten auf einigen Strecken die Velos schieben. Das uns  in allen erdenklichen Farbtönen umgebende Gebirge, die Lagunen, Salzseen und Tiere wie Vicunas, Flamingos, Wasservögel, Zorro (Wüstenfuchs) entschaedigten uns für die Strapazen. Nach ca. 95 km Schotterstrasse erreichten wir die geteerte Strasse zum Paso San Francisco. Dort mussten wir erst einmal 11 km gegen unsere geplante Richtung fahren, denn wir brauchten noch den Ausreisestempel des chilenischen Zolls. Wir wurden von den Zoellnern sehr nett empfangen, erhielten einen Raum für uns allein, in welchem es Matratzen hatte. Der für die Reinigung und den Unterhalt zustaendige Angestellte war für unser Wohl besorgt. Er brachte uns heisses Wasser für einen Thesito (Tee) und diverse Lebensmittel. Auf dem Pass war nichts los, ca. 15 Fahrzeuge sollen pro Tag den Zoll passieren. Und Locos wie wir ueberqueren den Pass ca. 5 - 10 pro Jahr. Am nächsten Tag erhielten wir wieder heißes Wasser und Brötchen zum Frühstück.  Um 9 Uhr holten wir den Zöllner aus den Federn. Er fand das doch recht früh :-). Wir wollten wegen des meistens nachmittags aufkommenden Windes früh starten, brauchten aber noch Wasser für unterwegs. So hatten wir je 4 Flaschen a 1,6 l dabei. Dies musste bis zur naechsten uns bekannten Nachschubmoeglichkeit reichen. Wir wurden gewarnt, aus den Flüssen auf keinen Fall Wasser zu nehmen, da diese mit Arsen verseucht seien oder zuviel Schwefelgehalt haetten.

Parque National Nevado Tres Cruces ueber 4`000 m








Bei den Weinbauern und in La Guardia














Im Weingebiet Richtung La Guardia erreichten wir ein Campamento, in welchem die Arbeiter wohnen. Nachdem wir fragten, ob wir bei ihnen zelten duerften, wurde uns eines der Zimmer der Arbeiter angeboten und Rodrigues hat uns mit Getraenken, Nudeln und Fleisch versorgt. Horst hat für ihn ein paar Portraitfotos geschossen, worüber er sich sehr freute, denn er fand, er sei sonst überhaupt nicht fotogen. Wir waren sehr erstaunt, dass es in der Abgeschiedenheit sogar WiFi-Anschluss gab.






Im Weiler La Guardia wurden wir gut versorgt











Dorffest in Los Loros




Den ganzen Tag fuhren wir durch das trockene Weingebiet Richtung Elquital. Am späten Nachmittag erreichten wir Los Loros. Dort fand gerade ein Dorffest statt. Die Dorfbewohner begruessten uns mit Ananas-Eis, brachten uns hungrigen Radlern Fladenbrot und Empanadas.